Halb Zwölf

halb-zwoelf

Halb Zwölf

Hab kurz überlegt, was genau eigentlich ein Schenkelklopfer ist
Das Ergebnis eines sauguten Witzes,
oder?

Bei mir war es dann ziemlich genau halb zwölf
und eben diesen Klopfer bekam ich auf meinen Schenkel
ausgeteilt von meinem Doc

3,5 Stunden allerhöchste Konzentration
bis auf die mir schon bekannten Anweisungen
„10 bar, 20 sekunden“
richtig still

Jetzt aber, in dem Moment als der Katheter entfernt ist
der Zugang „verschlossen“
und alles Werkzeug beiseite gelegt
da entlädt sich seine Anspannung

Es ist so ein Mittelding aus
freundlichem Klaps
und
kräftigem Schlag

Aber just in dem Augenblick da seine Hand
meinen Oberschenkel trift
spüre ich die ganze Last
und Verantwortung
die vom Doc abfällt

Jetzt haben wir es geschafft

Ich empfinde mehr als nur Dankbarkeit in diesem Moment
und soweit ich mich erinnern kann war es auch „nur“
ein einfaches und leises Danke
was ich sagen konnte

Der Doc hat sich relativ schnell weggedreht
und ist aus dem OP verschwunden
irgendwo nach hinten
für mich sah es so aus, als gehe er in ein Kämmerlein
um mit sich allein zu sein

Ich bin sehr wissbegierig und analysiere gern
doch dieses Verhalten war weg in diesem Moment
Ich habe den Klaps gespürt
und der sagte mehr als 1000 Worte

Mein Doch war fertig
fix und

Die Wundversorgung holt Dich dann glich wieder
in die Realität zurück
Ganz fest wird ein großer Verband um die Leiste
kreuz und quer, hint‘  und vorn‘ gewickelt
und dann ab in Aufwachraum
und ja nicht das Bein anwinkeln

Und schon hatte ich wieder dieses Quentchen Glück
– kaum im Aufwachraum angekommen –
legst Dich ruhig hin
und bekommst ne 1,5 Litter Buddel Wasser hingestellt

Sodala, jetzt trinken Sie bitte mal die Flasche leer
wir müssen ja schau’n, dass alle „Giftstoffe“ wieder raus kommen
gell

Ich habe gelernt, um „mein Leben“ zu trinken
auch wenn ich genau wußte, dass da wieder diese
blöde Pinkelflasche war

Glaubst, dass mir des sowas von Wurscht war,
wennsd einmal die Scham abgelegt hast
und weißt, dass die hier nur einen Job machen
und Alles schon einmal gesehen haben
dann pinkelst du auch in die Flasche
PUNKT

Tja, nur das mit dem „Nicht-Anwinkeln“
is gar nicht so einfach
wie sich’s anhört, wobei wieder Ich
mehr Glück hatte als mein Nachbar
im Aufwachraum

Irgendwann winkelst du fast automatisch Dein Bein an
egal ob Du es Dir grad einfach nur gemütlich machen willst
oder es nur einfach bequemer wäre
ausnahmsweise werd ich das jetzt nicht beschreiben
aber wenn die Wunde aufgeht
dann is aber richtig was los

In den kommenden 4 Tagen werde ich noch erfahren
was es heißt im Krankenhaus zu sein
Ich werde den Unterschied merken,
ob es „da draussen“ jemanden gibt der an Dich denkt
Dich unterstützt und hilft
– oder auch nicht –

Ich werde ziemlich schnell feststellen,
was es beudeutet unter Zeitdruck zu stehen
– oder gestanden zu haben –
und mir wird noch hier im Krankenhaus bewußt werden
dass ich mir diesen 4.November
für immer merken werde

Ich werde auch anfangen
etwas ganz Wichtiges und für mich Neues zu lernen
GEDULD


Hinweis:
Mein nächster Beitrag wird wieder
mit dem letzten fettgedruckten Wort beginnen.
Ist der neue Beitrag fertig, setze ich einen Link.
So könnt Ihr jederzeit, sofern ein Folgebeitrag existiert
immer weiterlesen.
Viel Spaß wünscht Euch
Mike

Veröffentlicht unter Herzinfarkt | Hinterlasse einen Kommentar

Nochmal unter’s Messer

3-monitore

Nochmal unter’s Messer

7. November es ist kurz nach halb 8 und ich bin vollkommen
nüchtern
Natürich hab ich als Bayer mit meinen Zimmernachbarn
Späßle g’macht über dieses Wort
Aber je mehr dass Dich auf des Wort konzentrierst
umso mehra Hunger kriagst

Und Du glaubst gar ned, wieviel Essen und Trinken
Dir dann aufm Weg in den OP begegnet
Jede Schwester aufm Gang hat an Kaffee in der Hand
an jeder Ecke an der Du vorbeigeschoben wirst
steht ein Wasserspender
und der einzige Elektriker der jetzt schon arbeitet
steht auf der Leiter und hat
….. a Wurstsemmel in der Hand

Boa, was hab ich mich gefreut im Vorraum zum OP-Saal
alles steril, da steht nix rum zum Essen oder Trinken
denkste
Schwester Marianne versteckt Ihren rechten Arm hinterm PC
und holt ihn ohne Kaffebecher wieder hervor

Ich kenne das Procedere
Raus aus Deinem Bett, nauf auf die kalte Pritsche
irgendwie angenehmer als beim ersten Mal
aber nur „irgendwie“

Der 2te Katheter muss diesmal über die Leiste gelegt werden
hat der Doc gemeint
und wenn der Doc des sagt,
dann is das so

A bissi lustig sieht das blankrasierte schon aus,
noch dazu weils heutzutage anschinend reicht
nur die rechte Seite (bei mir) zu rasieren
aber über sich selbs lachen zu können
soll ja mental auch hilfreich sein

Ausserdem ertappe ich mich dabei
daran zu denken ob die Schwester auch „darüber“ lacht
und du merkst aber sehr schnell,
dass es Ihr Job ist und Sie nicht mehr lacht
oder?

Stefan, der Typ mit’m gelben Astronautenanzug
(Schutzschürze Röntgenstrahlung)
is auch wieder da
und ich merke wie gut es mir tut in diesem Moment
Bekannte Gesichter wiederzusehen

Dr. Wagner is auch schon da und begrüßt mich von Weitem
er ist noch beim „Reinemachen“
so wie man es aus’m Fernsehen kennt
2500x Hände desinfizieren
– gefühlt –

Die Aufklärung, was er heute mit mir machen wird
und was er sich von mir erhofft
die werd‘  ich nicht so schnell vergessen

Die Operation sei für 3 bis 4 Stunden angesetzt
je nachdem wie weit WIR es schaffen
Und obwohl ich das zu diesem Zeitpunkt nicht verstanden habe
sage ich zu ihm
„Wir schaffen das“
Er stellt sich gerade zu mir hin und formt seine Hände
zu einer bundesweit bekannten Geste
die Raute
Und wieder müssen wir beide Lachen
obwohl ich für meinen Teil eher laut schmunzel
aber
Lachen ist Gesund
und noch nie hat das so gestimmt
wie in diesem Moment

– Schnitt –
es geht los
absolute Ruhe und Konzentration
beherrscht den Raum
Seine Kommandos kenne ich ja schon
„jetzt mal nicht atmen“
kann anstrengend sein, vor allem wenn man gerade erst
ausgeatmet hat

Auf dem Monitor seh ich wie der Draht
in meinem Herzen rumfährt
solange bis das Aderngeflecht sichtbar ist
ich kenne den Anblick seit OP1
und verfolge ihn aufmerksam
Diese Aufmerksamkeit und mein vollstes Bewußtsein
werden noch sehr entscheidend
zum Gelingen beitragen.

90 Prozent aller Herzoperationen müssen aus verschiedensten Gründen
nach ca. 2 Stunden beendet werden
Meist, so hab ich es mir im Nachhinein erklären lassen
weil die psychische Belastung für den Patienten
zu groß wird

Zur Erklärung:
Der beste und gesündeste Weg ist die OP unter örtlicher Betäubung
(also lediglich die Stelle an der der Katheter eingeführt wird)
und unter vollem Bewußtsein des Patienten
– mit möglichst wenig Schmerzmitteln –

– aber –

Wer bleibt schon gern 3,5 Stunden ausgestreckt auf einer
eiskalten Pritsche liegen

Wer kann schon wirklich Blut sehen

Wer behält die Nerven wenn sich gefühlte 100 Minuten
dieser Draht da nicht seinem Ziel nähert

Das sind dann aber nur 3 Fragen, die ich hier niederschreibe
und trotzdem verstehe ich heute besser denn je
was „mein“ Doktor damit meinte,
als er mir 50% !!! des möglichen OP-Erfolges
angewiesen hat.

Einmal hat’s wirklich im Bereich des Herzens zu schmerzen angefangen
so ein unangenehmes Druckgefühl
das hab ich ihm gesagt
– schwuppdiwupp –
kam die Schwester und hat mir über den Zugang am linken Unterarm
ein „Jetztdrücktsnichtmehr-Medikament“ gespritzt

Kennst du auch dieses Gefühl als Kind
– Bescherung  ist um 19:00 Uhr –
Die Minuten seit dreiviertel sieben vergehen nicht
nicht um’s…
Aber, es wird irgendwann 19:00 Uhr werden

Nur für eine OP scheint es das nicht zu werden
– wird es aber –

bei mir war es

HALB ZWÖLF


Hinweis:
Mein nächster Beitrag wird wieder
mit dem letzten fettgedruckten Wort beginnen.
Ist der neue Beitrag fertig, setze ich einen Link.
So könnt Ihr jederzeit, sofern ein Folgebeitrag existiert
immer weiterlesen.
Viel Spaß wünscht Euch
Mike

Veröffentlicht unter Herzinfarkt | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Erste Anzeichen

Erste Anzeichen

Melli aus Freising schreibt mir über facebook ’ne PN:
…. Sie erzählten mir das der Papa einen Herzinfarkt hatte, und es nicht geschafft hat.
Er hätte vor Wochen schon Anzeichen gehabt aber Sie nicht ernst genommen.

Antwort:
Das mit dem Ernst nehmen is eine ziemlich vetrackte Geschichte.
Wie so oft im Leben geht es lediglich darum, sich zu informieren und
den nächsten Schritt muss man halt selber tun.

Ich hab Ihn auch nicht getan, dabei wäre es verhältnismässig einfach
– dank diesem Internet 🙂
Mein Opa: Herzinfarkt und nicht mehr aufgewacht
Mein Vater: Herzinfarkt … und noch einen
Nur zum Doktor bin ich deshalb auch nicht. Warum auch.
Es betrifft ja nur immer die Anderen.

Was ich nicht mehr besser machen kann, aber Ihr:
Überprüft einfach Euer Herzinfarktrisiko
Wer das noch nie gemacht hat, bzw einen guten Link braucht..
Herzinfarkt-Risiko-Test

und ganz kurz bitte an folgendes denken:
Egal ob´s a kleines Bächlein ist, oder man weiß ja, dass der Blutdruck
ned so in Ordnung ist, ja selbst dass Zigarettenkonsum ned gut is –
wissma (wissen wir) alle
Alles wissen wir und sind furchtbar schlau.

Aber hier geht es um Leben oder Tod ….
und ich empfehle niemandem die Inschrift auf dem Grabstein:
Furchtbar schlau, aber zu spät

 

Veröffentlicht unter Fragen und Antworten | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Familie, Freunde & Bekannte

familie-freunde-bekannte

Familie, Freunde & Bekannte

Herzinfarkt !!! Ich ???
Was mach` ich mir gerade Sorgen
– um Alles; um Nichts –
Aber um Mich

Und dann merke ich in den ersten Gesprächen
mit meiner Liebsten
„hoppala“
die hat ja auch einen Infarkt

Und bevor es der Ein oder Andere falsch liest
nein, natürlich hat Sie keinen Infarkt
aber meinen Infarkt hat Sie und auch
Freunde & Bekannte
haben Ihn.

Erst einmal ist nichts so wie es gestern war
und auch das Gefühl der Anderen kann
unterschiedlicher nicht sein
Während ich zu diesem Zeitpunkt
(Tag 2 nach der ersten OP und noch 1 Tag bis zur zweiten)
schon in Gedanken dabei bin, was ich alles ändern sollte
sind andere vielleicht bei dem Gedanken
„puh, da is aber einer nochmal von der Schippe gesprungen“
Jede/r hat das Recht auf ein eigenes Gefühl
doch man sollte unbedingt
gemeinsam damit umgehen

Grundsätzlich brauchen beide
– Patient und Angehörige –
ein paar Momente für sich

Bei mir war´s zum Beispiel der 75 Geburtstag meines Vaters
den ich mit meinem Infarkt nachhaltig „beeinflußt“ habe
Stellt Euch vor, was meine Liebste am 4. November
(wir sind am Nachmittag nach der Not-Operation)
getan hat
Sie hat meinen Vater angerufen, daß ich (bzw. wir)
am nächsten Tag,
nicht zu seinem Geburtstag kommen können
weil sein Sohn einen Herzinfarkt hat
und im Krankenhaus liegt

Dabei spielt es überhaupt keine Rolle ob es ein gutes
Vater-Sohn Verhältnis ist oder nicht
Ein Kind bleibt für Eltern immer ein Kind
Ein Leben lang

Wenn Du dann das Glück hast, dass eben jene
Freunde, Bekannte oder auch Familienangehörige
das Geschehen mitteilen

Bei mir war es meine Schwester,
die meinte in
einem sehr kurzen Satz:
„Der Vater war sehr geknickt und bedrückt an diesem Tag“

Spätestens da habe ich gemerkt
Ihr alle die ihr mich
liebt, mögt, gern habt, toll findet, etc.
🙂
– Ihr habt Ihn auch –
Herzinfarkt
und ich begreife langsam auch,
was das für uns bedeutet

Noch dazu, da ich an diesem 6. November bereits weiß
es steht morgen noch eine 2te OP an
da sind „hinten links“ noch zwei Stellen
die „meinem“ Doktor überhaupt nicht gefallen
nochmal unter’s Messer


Hinweis:
Mein nächster Beitrag wird wieder
mit dem letzten fettgedruckten Wort beginnen.
Ist der neue Beitrag fertig, setze ich einen Link.
So könnt Ihr jederzeit, sofern ein Folgebeitrag existiert
immer weiterlesen.
Viel Spaß wünscht Euch
Mike

Veröffentlicht unter Herzinfarkt | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Interessant

interessant

Ganz oft werden mir über das Ein oder andere soziale Netzwerk
über die Chatfunktion Fragen gestellt.
Natürlich beantworte ich die so gut ich kann
aber…
Der „Rest“von Euch
hat von Antworten ja nix!

Also probier ich das mal folgendermaßen.
Wenn jemand eine Frage an mich hat,
so möge Er/Sie diese
auf dieser !!!! Seite
mittels der Funktion
„Hinterlasse einen Kommentar“
stellen.

Am allerbesten noch mit einem „Schlagwort“
Für dieses Schlagwort erstelle ich einen neuen Beitrag
der dann in die Kategorie „Fragen und Antworten“ kommt.

Beispiel: Thomas F. aus Freising möchte gerne wissen wie
es denn beruflich mit mir nach der Reha weitergeht.

Ich vergebe (nachdem es Thomas vergessen hat) ein Schlagwort.
An dieser Stelle „Arbeitsplatz
Nun erstelle ich im Menü „Fragen und Antworten“
einen neuen Beitrag mit dem Titel
„Arbeitsplatz“
Hier wiederhole ich für Alle die Frage von Thomas
und füge meine Antwort an.

Ich probier das einfach einmal anhand eines Beispieles aus
und freue mich, wenn Ihr bald eure Fragen hierüber stellt.

Hinweis: Je präziser die Fragestellung – umso präziser die Antwort

PS: Ihr könnt auch gerne ne E-Mail schreiben
dann „übersetze“ ich die Frage einfach hier in den BLOG
mike[at]mikelangelo.de

Veröffentlicht unter Fragen und Antworten | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Arbeitsplatz

Arbeitsplatz

Thomas S. aus Freising hat folgende Frage:
Wie geht denn des jetzt eigentlich weida mit dir? I moan  Arbad und so ?

Antwort:
des entscheidet sich ois auf da reha. normalerweis is ma erst amoi 3 wocha auf reha und in da regel werd` ma noch de 3 wocha als „arbeitsfähig“ entlassen. des is so der Regelfall.
Bei mir wäre das der 8.12
Aber… Herzinfarkt ist nicht gleich Herzinfarkt
Man geht zum Beispiel heute davon aus, dass die Behandlung mit Stents bei jedem
Patienten zur vollständigen Rehabilation nach 3 Wochen erreicht ist.
Entscheidend ist die Pumpleistung (Kraft des Herzens) nach der Operation
Diese kann im Einzelfall auch bei Stents geringer sein … bei Bypass-Operationen
aber ganz bestimmt.


Du hast auch eine Frage an mich?
Dann sei doch so gut und hinterlasse Deine Frage
auf dieser Seite.

Veröffentlicht unter Fragen und Antworten | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Immer dabei

koronarstent-implanttionskarte-01

Immer dabei

Hab also in diesem Moment meine erste „Karte“
überreicht bekommen mit dem Hinweis,
daß in drei Tagen eine zweite ausgefüllt werden wird
Stents sind wohl gerade im Angebot

Dieser Satz, mehr als ein bisschen ironisch gemeint
hilft mir im Moment, das Geschehene ein wenig
außen vor zu stellen, zu schmunzeln
zu verdrängen

Während mich diverse Pflegekräfte abwechselnd
durch schneeweiße Passagen schieben
Gänge durchqueren, die scheinbar nie aufhören
merke ich wie eine Träne langsam
mein rechtes Auge verläßt

Ich verfolge Ihren Weg über meine Wange
und spüre wie sie am Hals angelangt
auf ihrem Weg einen Stop einlegt
und am Hals verweilt

Sie bleibt nicht lange alleine
es folgen Ihr zwei, vielleicht drei
oder vier weitere
Bei fünf höre ich auf zu zählen
Ich heule wie ein Schloßhund

Ich bin ein sehr analytischer Mann
ich kann berechnen warum es ok ist jetzt zu weinen
ich kann auch meinen Atem regulieren
damit man das Heulen nicht hört
Ich kann auch meine rechte Hande
unters Kopfkissen schieben
und mit dem Kissenzipfel
die Tränden trocknen
Ich kann es aber auch einfach sein lassen

Ich weiß Ihren Namen nicht
Ich kann auch nicht genau sagen wie sieh ausgesehen hat
die Anschieberin vom Dienst
Ich weiß dass sie meine linke Hand genommen hat
sie kurz gedrückt hat und meinte
„Es ist ok. Das Schlimmste haben wir geschafft“
Schon wieder das
WIR

Ich spüre meine warmen Füße
es ist verdächtig kuschelig
ich erwisch mich dabei auf eine der vielen
Uhren am Gang zu schaun
Mein Brain funktioniert und rechne aus
wie lange ich wohl wach bin

Für diese Rechenaufgabe wird mir mein damaliger Mathelehrer
– Hr. Maier, Direktor der Realschule Freising –
heute noch ein „ungenügend“ eintragen
ich hab´s vergessen aufzuschreiben
ich bin in diesem Moment einfach eingeschlafen

Das erste was ich in meinem neuen Leben wahrnehme
ist ein schnarchender, etwas sehr beleibter Bettnachbar
und,
wenn ich so Richtung Fenster blicke
noch ein weiterer
der jedoch so flach im Bett liegt als wolle er
der dünnen Bettdecke Konkurenz machen
Nur die hervorstehende Nase wird ihn als
lebendiges Individuum entlarven

Weißt du wie 2 Scheiben Mischbrot
ein Stückchen Butter, ein Tee
und ein Griesbrei schmecken
überhaupt nicht
nur das es Wurscht is
mir wurscht

Im Moment hätte ich lieber
ein paar andere Menschen um mich herum
Familie, Freunde & Bekannte


Hinweis:
Mein nächster Beitrag wird wieder
mit dem letzten fettgedruckten Wort beginnen.
Ist der neue Beitrag fertig, setze ich einen Link.
So könnt Ihr jederzeit, sofern ein Folgebeitrag existiert
immer weiterlesen.
Viel Spaß wünscht Euch
Mike

Veröffentlicht unter Herzinfarkt | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

3 Monitore

3-monitore

3 Monitore

Den linken der drei Monitore hab ich
gefühlte 80 cm schräg links über mir
und eigentlich ist das ein tristes Grau
auf dem ab und zu ein schwarzer Strich zu sehen ist

Ok, das ist also der Katheter
und der muss bestimmt irgendwo hin
Als Laie hab ich sowas von Null Checkung
aber ich merke ganz deutlich,
dass der Arzt genau weiß was er tut

Geduldig sein

Immer wieder seh` ich wie sich das Drahterl windet
vor, zurück – weiter rechts, hoch
und dann seh ich zum ersten Mal
die Adern

stent-1-3

Kein Originalbild / Abb. aber sehr ähnlich

 Ich bekomme in aller Ruhe auf dem Bildschirm gezeigt
was dort zu sehen ist
und zusammengefaßt und auf guad boarisch
„schaut gar ned guad aus, aber des kriagn ma hi“
Das beruhigt
– sehr sogar –

Wir werden jetzt gleich an Position 1,2 und 3
je einen Stent setzen und dann sehen wir weiter
„Geht es Ihnen gut bis hierher“

Eins sag ich Euch, während ich auf dieser eiskalten
und unbequemen Pritsche liege
Ja, es geht mir gut
bis hierher

Und wenn ich mit diesen 3 Stents fertig bin,
dann schauen wir uns alles nochmal
in Ruhe im Ultraschall an und besprechen
alles Weitere.

Und ich denk mir nur
„Klar, wir machen das“
– und zwar genau so –
und nicht anders

Erst nach der 2ten Op, die in 2 Tagen erfolgen wird
– was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß –
werde ich genau verstehen
daß dieses
WIR MACHEN DAS
wirklich ein WIR sein wird

In den nächsten Momenten,
die sich nach Ende der ersten OP als
3,5 Stunden herausstellen werden
wird viel fachchinesich gesprochen

Stefan bringt immer ganz zuverlässig die Stents
2,75 x 16 – 2,5×28 – 2,5×28
während der Doktor immer etwas von
10/14/10 bar für 10/15/10 Sekunden schwafelt

Beim 3ten Stent passiert etwas merkwürdiges
zum ersten Mal „verheddert“ sich wohl etwas
undich spür im Unterarm ein komisches Kratzgefühl
so als würde jemand einen 10 Kilo Eisenklotz übern Teer schieben

Zum zweiten, spür ich warme Füße
klingt komisch – is aber so
nach über 2 Wochen eikalter Füße
(der bewußte mensch hätte hier bereits starke
Durchblutungsstörung wahrnehmen können)
ICH NICHT
sind die eiden Füße ob der eiskalten Unterlage
auf einmal warm

Zeitgleich bemerke ich, dass auch alle
anderen Drähte und langen Seile
rausgezogen werden
und wir wohl für heute
fertig sind

Wir sehen uns also in 3 Tagen wieder
und kümmern uns dann um die
„anderen“, die dem Doktor
gar nicht gefallen

Draussen vor dem OP bekomme ich noch ein
orangenes Karterl
mit der Bitte
„Das haben Sie in Zukunft bitte..
immer dabei!


 Hinweis:
Mein nächster Beitrag wird wieder
mit dem letzten fettgedruckten Wort beginnen.
Ist der neue Beitrag fertig, setze ich einen Link.
So könnt Ihr jederzeit, sofern ein Folgebeitrag existiert
immer weiterlesen.
Viel Spaß wünscht Euch
Mike

Veröffentlicht unter Herzinfarkt | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bild 03

Bild 03

bild-03-troponin-148

Proteinkomplex der bei Schädigung freigesetzt wird

zum-vorherigen-buidl zum-naextn-buidl


Kardiales Troponin (Abk.: cT, oft auch einfach nur: Troponin)
ist ein Proteinkomplex, der aus den Muskelzellen des Herzens bei Schädigung
(z. B. beim Herzinfarkt) in das Blut freigesetzt wird.
Der Nachweis eines erhöhten Troponinspiegels im Blut kann einen Herzmuskelschaden anzeigen und kann auch bei normalem EKG Hinweis auf einen Herzinfarkt sein.
cT ist eines von drei Troponinen.

Quellenangabe: de.wikipedia.org/wiki/Kardiales_Troponin


 aber 148 nicht

das waren die Worte der Ärztin in der Notaufnahme
Vernünftige Präventivmaßnahmen?
Naja, es gibt natürlich schon so kleine
Schnelltests in der Apotheke
die man(n) zu Hause haben könnte

Ich bin auch der festen Überzeugung,
daß die Schnelltest insbesondere uns Männern
– helfen könnten –
Jeder kennt das, es zwickt, es drückt, es beißt
– aber –

Geht scho – is ned so schlimm

Und wieviele legen sich dann einfach mal nieder
und ruhen sich aus
und wachen womöglich nie wieder auf
bloß weil’s

ned so schlimm is

Ich werd‘ mich mal für Euch schlau machen
bezüglich diesen Troponin-Schnelltests
und sobald ich zuverlässige Info´s darüber habe
stell ich die hier gerne ein

Liebe Grüße
Mike
zum-vorherigen-buidl

Veröffentlicht unter Momente in Bildern | Hinterlasse einen Kommentar

Troponin

Troponin

148

Ich dreh mich noch einmal zur Ärztin um und frage nach
wenn ich es richtig verstanden habe,
dann hat ein Otto Normalo
so gut wie gar kein Troponin

Troponin ist ein Eiweißstoff, der
nur bei Herzmuskelschäden
ins Blut freigesetzt wird

Ich hab noch gehört, wie sie meinte
so 14 wären durchaus denkbar
aber 148 nicht

Da lag ich dann auf dieser unbequemen weissgrauen Liege
und zum ersten Mal hämmerte dieses furchtbare Wort durch meinen Kopf
Herzinfarkt

Jetzt wurde seitens des Personals ein bisschen
Geschwindigkeit an den Tag gelegt
(obwohls ja nochmitten in der Nacht war)
und meine nächste Station
Intensivstation

Rückblickend weiß ich, daß ich gegen 8:00 Uhr morgens
dann auf diesem eiskalten OP-Tisch
der Dinge geharrt habe
die da kommen

Neutral betrachtet war ich somit seit 7 Stunden hellwach
aber glaubt mir eines

Wenn in Deinem Hirn dieses Wort umeinandergeistert
und das im Freundes-  und Familienkreis
schonmal ganz anders ausging
dann bleibst du gerne wach so lang es geht

 Mit diesem Nichts als neckischen Kittelchen an
werd‘  ich in den Vorbereitungsraum gefahren
und von einer total fürsorglichen Schwester empfangen

Die erzählt mir in Ihrer humorvoll aufmunternden Art,
daß Sie das nicht so toll findet
hier frühmorgens mit einem Herzinfarkt anzureisen
– aber –
in ca. 10 min. kommt der Dr. Wagner
und der macht Sie wieder neu

Den nächsten den ich kennenlerne ist der Stefan
ein ganz ruhiger, gewissenhafter
der ne gelbe Bleischürze trägt
aber ebenfalls eine große Ruhe ausstrahlt
Schwuppdiwupp vom Bett auf die OP-Pritsche
und hinten rechts seh` ich auch schon einen Mann
der sich extrem in grün verkleidet
und gefühlte 7500 mal
sich die Hände desinfiziert

Er stellt sich persönlich bei mir vor und erklärt mir in Ruhe
was mit mir los ist und was er mit mir heute
noch so alles vor hat.

Ok.
Also, irgendein Schlauch wird beim rechten Handgelenk
reingemacht, dann nach oben zum Herz geschoben
und da wird nachgeschaut
was Sache ist


Medizinisch übersetzt:
Bei einer Herzkatheteruntersuchung wird ein dünner, biegsamer Kunststoffschlauch (Herzkatheter) über ein Gefäß bis zum Herzen vorgeschoben.
Meist wählt der Arzt ein Gefäß in der Leiste oder am Handgelenk aus.
Das Einführen des Katheters nennen Mediziner auch
Herzkatheter legen“ oder „Herzkatheter setzen“.


Ich habe mit einigen ja auch schon persönlich über meine Erfahrungen gesprochen
und daher weiß ich, dass ich jetzt ein paar schwierige Sachen anspreche
die nicht jedermann verstehen kann.
Ich schreibe Sie so, wie ich Sie erlebt habe
und auch erleben wollte


An der Stelle am Handgelenk wird eine örtliche Betäubung ausgeführt
Dr. Wagner und mich trennt eine durchsichtige, große Plastikscheibe
die ungefähr in Höhe meines Brustkorbes hängt.
Ich kann Ihm also zu jeder Zeit und überall zuschauen

Stefan muss ab und zu immer zu nem grauen Stahlschrank laufen
und so ewig lange „Stahlseile“ holen,
die auch noch 3x ineinander verpackt sind

Alle kommen ins Handgelenk
werden vorsichtig eingeschoben
Links über meinem Kopf und direkt in Blickrichtung vom Doktor hängen
3 Monitore


 Hinweis:
Mein nächster Beitrag wird wieder
mit dem letzten fettgedruckten Wort beginnen.
Ist der neue Beitrag fertig, setze ich einen Link.
So könnt Ihr jederzeit, sofern ein Folgebeitrag existiert
immer weiterlesen.
Viel Spaß wünscht Euch
Mike

Veröffentlicht unter Herzinfarkt | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar